Spiel 46 : SV 03 Tübingen – TB Kirchentellinsfurt (3-2)
9. November 2009
08.11.2009 – Bezirksliga
Wieder einmal stand eine schwere Entscheidung bei zwei nominell gleich spannenden Derbys in der Bezirksliga an. SV 03 Tübingen gegen Kirchentellinsfurt? Oder Derendingen gegen den SSC Tübingen?
Die Hoffnung, dass nun endlich auf dem neuen Rasenplatz nebst Haupttribüne gespielt werden würde, lies die Würfel dann zugunsten des SV fallen. Auch, weil so anstatt 15 Minuten Radfahrt nur 3 Minuten Fußweg anstanden.
Doch zum wiederholten Male sollte sich die Platzfrage als Enttäuschung rausstellen. Immerhin wurde aber nicht auf dem Nebenplatz gespielt, sondern auf dem vorgelagerten Kunstrasenplatz, was den Fußweg von drei auf eine Minute reduzierte. Und sogar das Wetter hielt: Spürbar kalt, jedoch trocken. Allerdings hatte der Herbst das Spiel insofern im Griff, als dass man öfters vom herabfallenden Laub der Bäume nahezu eingehüllt wurde.

Tabellarisch war das Spiel hochinteressant, der Verlierer würde den Anschluss an die Spitzenplätze verlieren. Dementsprechend engagiert gingen beide Mannschaften zu Werke und boten ein unterhaltsames Spiel. Seinen Teil dazu trug auch der sehr junge Schiedsrichter bei, der oftmals seine Entscheidungen danach ausrichtete, ob der gefoulte Spieler sich per Schrei lauthals beschwerte, aber dies immerhin höchst konsequent. So wird man die Unsitte natürlich auch nicht los, brachte dafür aber beide Zuschauergruppen regelmäßig in Aufruhr.

Insbesondere die zahlreich erschienenen Kirchentellinsfurter legten einen eher unsensiblen Umgang mit dem Schiedsrichter an den Tag („Schiri, hab doch mal eine eigene Meinung“), worin sich dann auch die Tübinger Ersatzspieler einmischten und so kam es nicht nur visuell sondern auch akustisch zu einem interessanten Spiel. Den akustischen Sieg hierbei konnte K’furt für sich verbuchen, den spielerischen allerdings Tübingen, die dreimal durch immer schönere Tore in Führung gingen, zweimal den Augleich kassierten und die knappe dritte Führung mit Cleverness, Spielwitz und einer super Parade des eigentlich eher ungelenk wirkenden Torwarts über die Zeit brachten.

Großes Lob von meiner Seite: Da war spielerisch viel Schönes dabei. Da konnte man den Herbst auch mal vergessen, der auch dafür sorgte, dass der Tübinger Trainer zum ersten Mal bei einem Spiel nicht im feinen Zwirn, sondern in Trainingsanzug und dicker Mütze auftauchte.
Spiel 47 : SV Stuttgarter Kickers – SSV Reutlingen (2-2)
9. November 2009
07.11.2009 – Regionalliga Süd
An einem Tresen sitzen lohnt sich gelegentlich. Zufälligerweise kam ich an selbigem Ort derletzt mit einer Sportredakteurin des SWR ins Gespräch und beschwerte mit ob der Ignoranz des Senders gegenüber der Regionalliga im Vergleich zu ausufernden Berichten über Turniertanzen und Pferdespringen. Ihre Argumentation fand ich nur bedingt überzeugend, meinte aber, dass sich doch zumindest traditionelle Derbys wie Stuttgarter Kickers gegen Reutlingen für einen Bericht lohnen würden. Das Derby stand nun an und prompt war das Fernsehen da. Ich vermute mal, dass sie auch ohne das Gespräch da gewesen sein wären, aber ein kleiner Teil in mir haftet sich dies doch an die eigene Brust.
Exakt einen Monat nach der letzten Begegnung (s. Spiel 40) ging es erneut gegen Reutlingen, diesmal im Ligabetrieb und samstags.
Das angestrebte Ziel von über 4.000 Zuschauern wurde zwar verfehlt (möglicherweise zur Freude der Redakteurin, denn „bei solchen Spielen sind doch trotzdem kaum Zuschauer da“).
Aber die rund 3.500 Zuschauer (und gefühlt genauso viel Sicherheitskräfte – bereits auf der Hinfahrt wurden wir von sieben Einsatzwägen mit Blaulicht überholt) sollten ein denkwürdiges Spektakel zu Gesicht bekommen.

Reutlingen trat aufgrund schon fast beängstigender Verletzungssorgen mit mehreren Spielern aus der zweiten Mannschaft und der A-Jugend an. Und diese zeigten wohl mehr Einsatz als die etablierten Stammspieler. Zwar hatten die Blauen das Spiel weitestgehend im Griff, einen Spaziergang wie vor vier Wochen sollte es trotzdem nicht werden – im Gegenteil. Reutlingen hatte in der ersten Halbzeit eigentlich keine Torchance und erzielte nach einem feinen Freistoßtrick trotzdem das 1-0, während die Kickers wie immer ihrer Chancenverwertung nachtrauerten. Und kurz nach der Halbzeit fiel gar das zweite Tor für Reutlingen, ebenfalls nach einem Freistoß – der im Gegensatz zum ersten auch berechtigt war. Doch dann setzte der aufopferungsvolle Kampf der Blauen ein. Kein Vergleich zur letzten Saison, die damalige Mannschaft hätte sich nun abschlachten lassen. Doch die Reutlinger Abwehr erwies sich als leidenschaftlich vielbeinig und der Torwart als sicher. Und doch fiel der Anschlusstreffer und gab den Startschuss zu einer kämpferisch überragenden und teilweise auch spielerisch überzeugenden letzten halben Stunde, die einen Kickersangriff nach dem anderen nach sich zog.
Auch die Stimmung auf den Rängen puschte sich immer höher, mittlerweile war man wieder dazu übergegangen, die eigenen Mannschaften zu unterstützen nachdem man sich sonst eher mit den üblichen pawlowschen Reflexen auf Beleidigungen des gegnerischen Blocks konzentriert hatte.
Manchmal kann man sein Glück tatsächlich erzwingen. Reutlingen wurde immer müder und die Kickers spielten ihre enorme Kondition aus. Und tatsächlich: In der letzten Minute gab es einen Handelfmeter, der sicher verwandelt wurde.
Wenn man in der letzten Minute den Ausgleich erzielt, hat es immer etwas glückliches. Allerdings hätte man aufgrund des Chancenpluses über das ganze Spiel hinweg eigentlich einen Sieg verdient gehabt – auch wenn man wiederum Glück hatte, dass Reutlingen die sich zwangsläufig bietenden Konterchancen nicht nutzen konnte. Aber immerhin wurde zum dritten Mal hintereinander ein Rückstand noch abgewehrt, auch eine positive Leistung
Da die Rückfahrt langwierig per ÖPNV in Angriff genommen werden musste, hab ich den Fernsehbericht leider versäumt.
Spiel 46 : TSV Lustnau – SV Pfrondorf II (2-0)
2. November 2009
01.11.2009 – Kreisliga B
Der TSV Lustnau wird langsam zu einer festen Größe in meinem persönlichen Provinzfußballhorizont. Bereits zum dritten Mal in vier Spieltagen wurde ein Spiel besucht. Zum einem konnte aufgrund einer leichten Feierei am Vortag kein Spiel außerhalb des Fahrradkreises besucht werden, zum anderen stand wieder ein Tübinger Stadtteilderby an: Pfrondorf liegt quasi über Lustnau auf dem Berg. Von der gleichlautenden Partie letzte Saison – wo übrigens das Titelfoto dieses Blogs entstand – wurde aus der Kabine kolportiert, dass der Motivationsspruch des Pfrondorfer Trainers im Versprechen bestand, dass man dann „ein Jahr lang auf Lustnau runterspucken dürfe“. Das Spiel endete unentschieden und das erneute Aufeinandertreffen fand auch nicht ein Jahr später statt.

Leider fand das diesjährige Spiel nicht auf dem engen Nebenplatz statt, wo man als Zuschauer quasi gezwungen wird, direkt neben der Seitenlinie zu stehen, sondern auf dem eher weitläufigen Hauptplatz, der aber noch ein paar spätherbstliche Sonnenplätze zu bieten hatte. Sonnig auch das Gemüt des Pfrondorfer Torwarts, der bereits in der ersten Minute einen Rückpass vom Fuß springen lies und somit einen frühen Rückstand verschuldete und fortan auch keine Sicherheit mehr fand. Und nicht nur das, die gesamte Abwehr passte sich der Leistung an. Da sich auch Lustnau sorglos auf selbiges Niveau begab, gab es in der ersten Halbzeit keine einzige wirkliche gelungene Aktion mit Ausnahme des Lustnauer 2-0 und eines schönen Pfrondorfer Lupfers über den Torwart hinweg, der aber kurz vor der Torlinie aufprallte und dann über das Tor sprang. Ein wahres Freudenfest also.

Spielerisch brachte die zweite Halbzeit auch nicht viel mehr. Aber dafür war es schön zu beobachten, wie es die Spieler schafften, das Publikum immer mehr gegen den Schiedsrichter aufzubringen. Der hatte ein paar einzelne Situationen nicht gepfiffen und damit ein paar Spieler dazu bewogen, schon bei kleineren Berührungen zu fallen. Ergo entrüstete sich das Publikum ob der nicht gegbenen Freistöße, der Schiedsrichter pfiff dann auch klarere Sachen nicht mehr und zum Höhepunkt gab es ein (sowohl für mich wie auch für die begleitenden Sportskameraden Hi. und Rä. mit langjährigen Stadionerfahrungen) absolutes Novum: Der Lustnauer Verantwortliche am Mischpult spielte plötzlich eine scheppernde Technoversion des in den 80ern höchst beliebten Pöpelgesangs „Schiri, wir wissen wo Dein Auto steht“ ein, während des laufenden Spiels wohlgemerkt. Respekt.
Rein feuertechnisch ist in der Stadt allerdings nichts passiert. Auf dem Platz auch nicht mehr.
Spiel 45 : TV Derendingen II – TSV Lustnau (3-1)
26. Oktober 2009
25.10.2009 –Kreisliga B
Man soll sich ja nicht abhetzen, das ist ungesund. Und wird auch nicht immer belohnt: Zwar kam ich trotz großen Fahrradfahreinsatzes erst ein paar Minuten nach 13 Uhr am schönen Derendinger Sportplatz an, aber damit war ich wesentlich früher als der Schiedsrichter, der erst zehn Minuten später angerannt kam und das Spiel mit dementsprechender Verspätung anpfiff. Und zum Glück für ihn gab es in der ersten halben Stunde kein gröberes Foul, denn die gelbe und rote Karten wurden ihm erst dann von einem Derendinger Betreuer nachgereicht (und die gelbe kam auch sofort zum Einsatz).

Zu diesem Zeitpunkt stand es im Derby der zwangseingemeindeten Tübinger Gemeinden (eine Feststellung, auf die zumindest Lustnau größten Wert legt) noch torlos, Derendingen mit Pech (zwei Pfostentreffer, wobei man sich aber schon fragen darf, ob es nicht eher Unvermögen ist, wenn man aus zehn Metern alleinstehend vor dem Tor nur den Pfosten trifft). Aber auch Lustnau hatte zwei Chancen, so dass das Unentschieden zu dem Zeitpunk in Ordnung ging.
Nicht so ganz in Ordnung hingegen war die Zuschauerresonanz, die Anstoßzeit war wohl doch zu früh, dabei konnte man dank Zeitumstellung ja sogar eine Stunde länger schlafen. Aber ganz so traditionsreich ist Derendingen gegen Lustnau dann wohl doch nicht.
Noch weniger in Ordnung war allerdings die Qualität der Stadionwurst. Sehr niedriges Niveau.

Wieder besseres Niveau zumindest im Bereich sinnloser Ballverluste hatte die zweite Halbzeit, in der Derendingen durch einen Doppelschlag (das zweite Tor durch einen wunderschönen direkten Freistoß) bald 2-0 in Führung ging. Zwar gelang Lustnau kurz vor Schluss noch der Anschlusstreffer, aber viel Chancen zum Ausgleich ergaben sich nicht mehr. Im Gegenteil: Derendingen zeigte noch eine äußerst beindruckende Vorstellung im Versieben von Großchancen. Aber letztlich konnten sie mit dem Schlusspfiff doch noch den dritten Treffer erzielen und mussten dann sofort vom Platz hetzen, da die Spieler des 15-Uhr-Spiels umgehend aufs Feld eilten, damit wenigstens dieses Spiel pünktlich angepfiffen werden konnte.

Selbiges musste für mich wegen eines anderen Termins leider entfallen. Schade, denn einigen der inzwischen anwesenden Zuschauern konnte man förmlich ansehen, dass sie große Erfahrung in kreativen Schiedsrichterbeschimpfen hatten.
Spiel 44 : SV Stuttgarter Kickers – 1. FC Eintracht Bamberg (1-1)
26. Oktober 2009
24.10.2009 – Regionalliga Süd
Der Vorführeffekt!
Vorneweg die allerbeste Nachricht: Unser Sportskamerad Al. konnte zum ersten Mal seit seiner schweren Erkrankung wieder das Waldau-Stadion betreten. Herzlich Willkommen zurück!
Und so schwärmten wir (neben mir noch die Sportskameradin Vo. sowie die Sportskameraden Jo. und Br.) auf der Hinfahrt von den guten Spielen der Mannschaft, die im Moment ja richtig Spaß macht und schön zum Anschauen ist. Und was passiert? Prompt spielen die Kickers ihre schlechteste Halbzeit in einem Heimspiel diese Saison. Hm. Zuviel geschwärmt? Zwei mal fünf gute Minuten reichten nicht zur Überzeugungsarbeit und dass Bamberg bei ihrem einzigen Angriff prompt die Führung erzielten, machte es nicht einfacher.

Und in der (besseren) zweiten Halbzeit zeigten sich deutlich die Probleme der Mannschaft: Kein wirklich überzeugender Stürmer und die Schwierigkeit, gegen eine extrem defensiv eingestellte Mannschaft das Spiel zu machen. Zwar wurde 45 Minuten lang das Tor der Bamberger – die ihr 5-5-0-System auch mal für ein 7-3-0-System aufgaben – berannt, aber oftmals ohne die entscheidende Idee und wenn sich nach guten Spielzügen dann doch eine Chance ergab, wurde sie kläglichst vergeben. Aber wie immer: Kämpferisch überzeugend und auch spielerisch mit Potential, das in der zweiten Hälfte zumindest gelegentlich auch aufblitzte. Und weil Kampf und Leidenschaft ja wenigstens gelegentlich belohnt wird, kamen die Kickers in der Nachspielzeit tatsächlich noch zum Ausgleich.

Und so ist man daheim immer noch unbesiegt, steht in der Tabelle aber im zum Herbst passenden grauen Mittelfeld. Aber nach den Erfahrungen der letzten Jahre ist das ja schon etwas Gutes. Fast so gut, wie dass Sportskamerad Al. wieder da ist!
Spiel 43 : TSG Tübingen – SV Böblingen (1-3)
19. Oktober 2009
18.10.2009 – Landesliga
Der Fußball ist in eine neue Phase der Saison getreten: Dem Herbst. Ab nun hat man sich als Besucher wieder auf ungemütliches, nasskaltes Schmuddelwetter einzustellen. So gesehen war es in Ordnung, dass aus arbeitstechnischen Gründen nur ein einziges Spiel dieses Wochenende auf dem Spielplan stand: Der Auftritt des Tabellenzweiten aus Böblingen bei der TSG. Der Zuschauerzuspruch war trotzdem im üblichen Rahmen – wenn das Volleyballbundesligaspiel in der Halle nebenan auch besser besucht war, aber da war es auch bestimmt mollig warm.

Doch auch das Spiel – das ohne erwähnenswerten Begleiterscheinungen vonstatten ging – sollte zumindest zeitweilig wärmen: Die TSG spielte anfangs mit großer Kombinationssicherheit den Favoriten schwindlig, ohne jedoch zum Erfolg zu kommen. Das schafften allerdings die Böblinger in den entscheidenden fünf Minuten Mitte der ersten Halbzeit: Vergaben sie erst noch einen unberechtigten Elfmeter (eine von ganz wenigen Fehlentscheidungen des jungen, insgesamt sicheren und extrem freundlichen Schiedsrichters), nutzten sie anschließend zwei Fehler der heute wackligen Tübinger Abwehr zu zwei Toren. Zwischenzeitlich hatten die Tübinger Pech mit einem fulminanten Lattentreffer.

Nach dem Seitenwechsel sollte Böblingen eine halbe Stunde keine einzige Chance mehr bekommen. Im Gegenteil: Tübingen drängte sofort auf den Anschlusstreffer, schaffte ihn nach ein paar Minuten und setzte dann zu einem Sturmlauf an, der auch dem Publikum keine Zeit zum Zittern lies – zumindest nicht ob der Kälte. Böblingen wusste sich oft nur noch durch Fouls zu helfen, mehrere gelbe Karten waren die Folge, doch so geschickt verteilt, dass niemand vom Platz musste. Als Mittel war dies auch erfolgreich: Tübingens Freistöße waren allesamt ungefährlich. Ansonsten half der gute Torwart aus und wenn dieser nicht konnte sorgte der linke Pfosten für die Rettung des Vorsprungs: Zweimal gleich prallte der Ball an selbigen, beim ersten Mal tanzte er noch auf der Linie, fand den Weg aber nicht ins Tor, beim zweiten Mal konnte der Nachschuss abgeblockt werden.

Und wie es dann so ist: Die TSG wurde sichtlich müde, Böblingen kam doch noch zu Kontern, traf zum 3-1. Die TSG versuchte es zwar noch weiter, hatte zum Schluss dann aber sogar Glück, nicht noch ein Tor zu fangen. Und so kam Böblingen zu einem insgesamt recht glücklichen Sieg, das freundliche Publikum trollte sich vondannen und mich erreichte die Nachricht der zeitgleichen Auswärtsniederlage der Kickers in Frankfurt. Es ist Herbst geworden.
Spiel 41 : TSV Kiebingen II – SV Bühl (0-3) & Spiel 42 : SV Unterjesingen – TSV Lustnau (1-2)
12. Oktober 2009
11.10.2009 – Kreisliga B
Nach den Ausflügen der letzten Zeit in die halbgroße und große Welt des Fußballs stand dringend wieder das Eintauchen in die Fußballprovinz an. Die beste Möglichkeit ergab sich beim Nachbarschaftsderby in Kiebingen gegen Bühl. Dieses Derby gilt als eines der heißesten im Kreis, möglicherweise dadurch bedingt, dass die beiden Dörfer zwar direkt nebeneinander liegen, aber verschiedenen Städten angehören: Bühl gehört noch zu Tübingen während Kiebingen bereits Rottenburger Gemarkung ist.
Also wurde voller Erwartung der Zug nach Kiebingen geentert und nach einer Station bereits wieder verlassen, am Bahngleis freudig begrüßt von einer Horde Getier.

Anfangs machte sich jedoch größere Enttäuschung bereit, nur eine handvoll Zaungäste hatten sich bereits eingefunden. Was war los? Enttäuschung über den bisherigen Saisonverlauf – Bühl konnte noch keinen einzigen Sieg verbuchen und auch Kiebingen hatte keinen optimalen Start? Wurde das Spiel nicht als Derby angesehen, da die Erste aus Bühl „nur“ gegen die Zweite aus Kiebingen spielt? Oder gilt die zweitniedrigste Liga als zu unbrisant? Doch Entwarnung: Unmittelbar vor Anpfiff gesellten sich immer mehr Zuschauer zu den üblichen Spielerfreundinnen am Spielfeldrand und Mitte der ersten Halbzeit war es dann doch ziemlich ordentlich, beide Lager gut gefüllt und streng aufgeteilt – allerdings erstmals auch verhältnismäßig ruhig im Umgang untereinander. Wahrscheinlich waren beide Seiten zu beschäftigt mit dem Schiedsrichter, der – körperlich nicht mehr so ganz auf Spitzenhöhe – schnell durch das völlige Ignorieren der Vorteilsregel und Verwarnungen für die geringsten Beschwerden („Ach was“) Bänke und Zuschauer gegen sich aufbrachte. Da fielen kleinere Tändeleien zwischen Spielern und Zuschauern nicht sonderlich ins Gewicht.

Bühl jedenfalls war sichtbar gewillt dem bisher einzigen Punkt weitere hinzuzufügen und ging infolgedessen mit einer verdienten 1-0-Führung in die Pause.
Auch nach Wiederanpfiff blieb Bühl die bessere zweier insgesamt schlechter Mannschaften. Aber der Reiz des Provinzfußballes liegt ja nicht unbedingt in schönen Spielzügen und gelungenen Kombinationen, sondern in der Fehleranfälligkeit beider Mannschaften. Spielsituationen, die eigentlich geklärt sind, werden plötzlich durch misslungene Ballannahmen oder sinnlosen Pässen wieder spannend, jederzeit kann der Ball unbedrängt beim Gegner landen. Und aus dieser Sicht heraus bot das Spiel einiges. Und auch der äußere Rahmen wurde zunehmend derbygerecht. Als nach rund einer Stunde beim Stand von mittlerweile 2-0 Bühl einen Einwurf nicht zum Gegner zurückwarf, obwohl dieser den Ball wegen Verletzung ins Aus gespielt hatte (allerdings konnte man die Szene auch so interpretieren, dass der Kiebinger Abwehrspieler eh keine andere Chance hatte als den Ball deftig ins Aus zu klären, unabhängig davon, ob jemand am Boden lag) wurde das Spiel zusehends ruppiger (wenn auch nicht wirklich unfair) und lauter. Ob der kleinlichen Kartenpolitik des Schiedsrichters (und der Undiszipliniertheit der Spieler – fast alle gelben Karten gab es wegen Meckerns) war es quasi unvermeidlich, dass ein Spieler vorzeitig zum Duschen geschickt wurde, in dem Fall ein Bühler, was noch einmal Spannung versprach (allerdings ging der Spieler trotz mehrfacher Aufforderung des Schiedsrichters nicht in die Kabine, sondern versteckte sich hinter den Spielerfreundinnen), doch der Bühler Torwart konnte die zaghaften Kiebinger Versuche zunichte machen und in der Nachspielzeit traf Bühl noch zum 3-0 und konnte somit nicht nur den ersten Saisonsieg feiern, sondern auch den Derbysieg.

Wie sich die Stimmung unter den Zuschauern noch entwickelte blieb mir leider verborgen, denn mittlerweile war auch der Sportskamerad Rä. nebst Auto eingetroffen und so ging es zum nächsten – in dem Fall auch neuen – Ground nach Unterjesingen zum Tübinger Stadtteilderby zwischen Unterjesingen (Tübingen-West) und Lustnau (Tübingen-Ost).
Der Ground selbst stellte sich als eher unspektakulär dar und die Temperaturen gingen auch spürbar nach unten, so dass man auf ein gutes Spiel zu hoffen hatte. Und da wurden wir nicht enttäuscht. Spielerisch war das schon besser als das Spiel zuvor, die Fehleranfälligkeit war immer noch erfreulich hoch, aber es gab auch immer wieder schöne Kombinationen zu sehen – zumindest von den Lustnauern, die eine dieser Kombinationen erfolgreich zur 1-0-Pausenführung nutzen konnten. Dies entsprach auch der Tabellensituation: Lustnau spielt eine bisher überzeugende Runde und steht in der Tabelle auf Platz 2, während Unterjesingen in der unteren Hälfte vor sich hindümpelt.

Zur zweiten Hälfte kam Unterjesingen besser ins Spiel und kam folgerichtig zum Ausgleich. Lustnau konnte jedoch fast postwendend wieder in Führung gehen und danach hatte das Spiel die nötige Spannung, denn Unterjesingen setzte nun zum Sturmlauf an und kam zu zwei Lattentreffer (wobei sich beim zweiten der Torwart den Ball an die eigene Torlatte boxte). Die Aggression auf dem Platz stieg, wenn es für ein einfaches „Ach was“ beim Schiedsrichter vom Spiel vorher schon gelb gab, hätte der ewig motzende Unterjesinger Spieler mit der Nummer 11 eigentlich für Wochen gesperrt werden müssen – dieser Schiedsrichter hatte das Spiel jedoch stets unter Kontrolle. Aber auch der Griff zur Brechstange brachte nichts, Lustnau verteidigte geschickt und konnte so den Sieg quer durch die Stadt mitnehmen. Und ich einmal (bzw. zweimal) mehr das Erlebnis Kreisliga Abteilung Derby.

Spiel 40 : SV Stuttgarter Kickers – SSV Reutlingen (3-1)
9. Oktober 2009
06.10.2009 – WFV-Pokal
Der WFV-Pokal ist der Qualifikationspokal zum DFB-Pokal. Der ist gerade für finanzarme Vereine äußerst wichtig, da es dort einiges an Geld zu holen gibt. Alleine das Antrittsgeld für die erste Runde kann gegebenenfalls auch mal einen neuen Spieler finanzieren. Deshalb ist der WFV-Pokal absolut ernst zu nehmen, eine Tatsache, die die Kickers-Mannschaft in den letzten zwei Jahren unverständlicherweise nicht verstanden hatte und sang- und klanglos gegen niederklassige Vereine ausgeschieden ist. Eine doppelte Schande, wenn man bedenkt, dass man in den zwei Jahren davor jeweils im DFB-Pokal gespielt hat und dabei unvergessene Spiele (positiv der Sieg gegen den HSV, negativ das Spiel gegen Hertha BSC mit dem Becherwurf und Spielabbruch und meiner persönlichen Erkenntnis, dass Pantelic ein charakterlich absolut mieser Spieler ist – den man allerdings gelegentlich einfach braucht) erleben konnte.

Diese Saison scheinen das die Spieler verstanden zu haben, was den eh schon positiven Eindruck der Mannschaft noch verstärkt. Die zweite Mannschaft hatte bereits das Viertelfinale erreicht, die erste traf nun im Achtelfinale auf den SSV Reutlingen. Die spielen zwar in der selben Liga, schwächelten aber in den Spielen davor, was im Zusammenspiel mit Verletzungssorgen leicht zur Unterschätzung führen kann.
Der Anfang des Abends gestaltete sich eher zäh, die Straßen um die Waldau herum waren dicht, so dass das Spiel erst mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen wurde. Daweils waren auch nicht mehr Zuschauer im Stadion, als bei den Spielen zuvor. Trotz allem ist ein Verbandspokalspiel unter der Woche drei Tage nach dem letzten Heimspiel nicht für alle regelmäßigen Besucher eine Option – in einer ähnlichen Situation gegen den VfR Aalen vor ein paar Jahren kamen nur knapp 900 Zuschauer. Aber immerhin stand nicht nur das Achtelfinale an, sondern auch ein Derby zweier Mannschaften, deren Fanlager sich nicht gerade – vorsichtig ausgedrückt – grün sind, was sich durch seltsame Verquickungen in den letzten Jahren (Elversberg vs. Siegen) noch verstärkt haben dürfte.
Aber der Stimmung tat das nur gut, eine laute Atmosphäre unter Flutlicht hat schon seinen eigenen Reiz – solange es dabei friedlich bleibt, sonst wird es schnell nervig. Die üblichen Drohgebärden gehören halt dazu.
Und prompt singen auch verstärkt wir Schweiger (siehe Spiel 34) mit, weil es Spaß machte und man das Gefühl hatte, dem äußerst lautstarken Reutlinger Anhang etwas entgegensetzen zu müssen. So soll das ja auch sein, insbesondere im Hinblick auf die vielen zweiten Mannschaften in der Liga, die ohne nennenswerte Begeleitung anreisen. Viele Spiele mit gut besetztem Gästeblock wird es diese Saison nicht geben.

Tatsächlich schienen die Blauen den Gegner anfangs auf die leichte Schulter zu nehmen. Reutlingen fing stark an, hatte die ersten Chancen. Aber die Kickers-Mannschaft konnte sich an ihre Aufgabe erinnern und brachte sich durch einen Doppelschlag nach einer Viertelstunde auf die Siegerstraße, denn davon sollte sich Reutlingen nicht mehr erholen. So fiel noch vor der Halbzeit das 3-0 und vom stärksten Druck befreit, zeigten die Kickers ihre bis dahin beste Saisonleistung. Individuelle Fehler wurden vom kollektiv ausgebügelt, was den Reutlingern überhaupt nicht gelang, ein Fehler bedeutete gleichzeitig Ballverlust. Und das ist es, was die Kickers-Mannschaft im Moment auszeichnet: Das bedingungslose Einstehen füreinander. So können dann auch Fehler zugelassen werden – bei einer so jungen Mannschaft lässt sich das sowieso nicht vermeiden. Und drei Tore in einer Halbzeit ist auch eine neue Erfahrung in dieser Saison – erst recht solche wunderschönen Tore wie das erste (Solo) und das dritte (Direktabnahme).
Aber was auch schon im letzten Ligaspiel gegen den KSC II zu merken war: Die zweite Halbzeit wurde laxer angegangen. Reutlingen kam durch einen Sonntagsschuss zum Anschluss, war aber insgesamt doch zu harmlos, um nochmals wirklich gefährlich zu werden.
Die Kickers leisteten sich noch den Luxus eines verschossenen Elfmeters. Letztendlich wurde das Spiel verdient gewonnen und in der nächsten Runde wartet nun mit dem SV Bonlanden tatsächlich ein niederklassigerer Gegner – hier wird sich der Charakter der Mannschaft dann wirklich zeigen.
Spiel 39 : SV 03 Tübingen – SV Pfrondorf (1-1)
5. Oktober 2009
Nach den ausführlichen Zugfahrten der letzten zwei Tage, sollte der Wochenendabschluss möglichst unkompliziert gestaltet werden und so ging es den Fünfminutenmarsch zum SV 03 im Stadtderby gegen den SV Pfrondorf.
Die gute Nachricht vorweg: Das nächste Heimspiel wird aller Voraussicht nach tatsächlich auf dem neuen Rasen stattfinden, so dass endlich die schöne Holztribüne wieder in Beschlag genommen werden kann. Diesmal jedoch ging es also nochmals auf den Nebenplatz, auf dem jedes Spiel äußerlich immer ein wenig Freundschaftsspielcharakter hat.
Bei herrlichem Spätsommerwetter fanden sich auf überdurchschnittlich viele Zuschauer ein, zu größeren Teilen aus Pfrondorf den Berg runter gekommen. Und mit der Aussicht auf den neuen Platz wurde auch prompt die Wurst wieder besser.

Eigentlich sollten die Rollen klar verteilt sein müssen. Tübingen spielt die beste Saison seit langem und konnte sich bereits auf den zweiten Tabellenplatz vorarbeiten. Pfrondorf hingegen kämpft einmal mehr um den Abstieg. Und so hatte Tübingen anfangs auch mehr vom Spiel. Das mit Spannung erwartete Duell zwischen Pfrondorfs Topstürmer Beck und Tübingens kampfstarken Abwehrspieler Selvaggio (der technisch enorm stark ist, jedoch zu oft zu Nörgelei und Frustaktionen neigt) ging in der ersten Halbzeit an den Abwehrspieler, zur zweiten Halbzeit wechselte Beck die Seite und entging so meistens dem direkten Zweikampf.

Kurz nach der Halbzeit konnte Tübingen das erlösende 1-0 erzielen und vermutlich wäre es auch bei der Führung geblieben, wenn sich Tübingen nicht wegen fortwährendes Meckern mehrere gelbe und wegen Beleidigung eine rote Karte eingehandelt hätte.
So kam Pfrondorf wieder ins Spiel und kurz vor Schluss auch zum insgesamt verdienten Ausgleich in einem zumindest in der zweiten Hälfte guten und spannenden Spiel. Wenn sich Tübingen die Undiszipliniertheiten abgewöhnt, kann die Saison aber weiterhin höchst erfreulich bleiben. Und Pfrondorf sollte es so auch da unten rausschaffen.
Nur aus reiner Derbysicht war das Spiel erstaunlich ruhig.
Spiel 38 : FC Bayern München – 1. FC Köln (0-0)
5. Oktober 2009
03.10.2009 – 1. Bundesliga
Einmal mehr hatten die Kölner Freunde Karten für ein Auswärtsspiel aufgetrieben und wie schon letzte Saison ging es nach München in die große Welt der Allianz-Arena. Damals war es Faschingssamstag und obwohl ich vorgewarnt wurde, dass die Kombination Fußball und Karneval bei Kölner für extrem seltsame Zustände sorgen kann war ich doch sichtlich überrascht von der Verkleidungswut eines Auswärtsmobs.
Dieses Mal war zwar kein Karneval, dafür das letzte Wiesn-Wochenende. Und das sollten wir deutlich zu spüren bekommen.

Angegangen wurde die Fahrt zusammen mit den Sportskameraden Hi. und Th. per Wochenendticket. Und das brachte die seltsamsten Reisebegleitungen ein: Auf der Fahrt von Tübingen nach Plochingen eine größere bedrogte Gruppe Raver, die Fahrt von Plochingen nach Ulm eine erschreckend große Gruppe Faschos und ab Ulm ging es dann mit dirndl- und trachttragenden Wiesn-Besuchern, die an jeder Haltestellen zu dutzenden, ja gefühlten hunderten in den eh schon vollen Zug strömten. Dass dadurch Anschlüsse nicht erreicht werden konnten und unser Zweistundenpolster immer mehr zusammenschmolz war dabei nicht das Schlimmste. Nein. Aber stundenlang einem vorglühenden Partyvolk bei sinnlosem, lautstarken Ballermannhitssingen und Witzeerzählen auf unterstem Privatfernsehniveau zuhören zu müssen, geht schon gehörig an die Nieren. Und dabei ist man als Fußballreisender ja wirklich einiges gewöhnt und hat gelernt, notfalls einfach auf Durchzug zu schalten. Aber in einem kleinen Zug eingequetscht zwischen besoffenen Lederhosenjungs und ebenso besoffenen quietschenden Kleinmädchen ist nochmals eine Stufe härter, zumindest in dieser unendlichen Masse und im fortschreitenden Alter – was dann auch unseren Plan, selbst noch über die Wiesn zu wandeln, umstürzte.

Ab dem Hauptbahnhof tauschten sich dann Wiesn-Besucher durch Fußballbesucher aus, was es nur bedingt besser, aber zumindest gewohnter machte. Zentimeterweise ging es voran und immerhin: Das Zeitpolster war gut gewählt, rund eine Minute vor Anpfiff konnten die Plätze eingenommen werden.

Das Spiel war nicht sonderlich aufregend – Spielberichte können der Presse entnommen werden.
Die Arena selbst ist schon beeindruckend, zumindest von außen. Die Sicht ist ordentlich, Getränke und Essen wurden aufgrund des doofen Kartensystems nicht getestet. Aber die Wege sind lang, der Abtransport der Massen klappt jedoch schnell und gut. Und auch wenn man auf eher kleinere Stadien oder Sportplätze steht, gelegentlich gehört ein solcher Sportpalast auch dazu – und sei es allein um froh sein zu können, wieder einen gemütlichen kleinen Ground zu betreten, ohne Gedränge, ohne Eventbummbumm und auf das Wesentliche konzentriert.

Die Rückfahrt dauerte aufgrund technischer Probleme über fünf Stunden, war aber im Vergleich zur Hinfahrt äußerst angenehm – sowohl vom Platz wie auch von der Akustik.